Nur wenige Vietnam-Reisende rücken seine Inseln in den Vordergrund, was bei einer Küstenlinie von rund 3000 km doch etwas verwundert. Doch trotz dieses langen, S-förmig gebogenen Strandes entlang des Südchinesischen Meers, gibt es vergleichsweise wenige Inseldestinationen, die einen festen Platz im Reiseplan der Besucher haben. Der Klassiker im Norden ist die Insel Cat Ba, welche meist im Zuge einer Schifffahrt durch die Halong-Bay besucht wird. Ihr Pendant im Süden heißt Phu Quoc, und ist wahrscheinlich die schönste Insel Vietnams, ist es doch ein subtropisches Eiland, welches den Vergleich mit anderen, berühmteren Inseln Südostasiens nicht zu scheuen braucht, ohne aber so überlaufen zu sein, wie etwa Phuket oder Ko Samui. Doch kennen Sie weitere?

Insel Con Dao in Vietnam

Weit abseits der ausgetretenen Touristenpfade liegt eine kleine Inselgruppe im Südchinesischen Meer. Nimmt man ein Flugzeug von Ho Chi Minh City, so landet man nach rund 45 min in südlicher Richtung auf dem kleinen Flughafen von Con Son, der größten Insel dieses Archipels, der auch zum Nationalpark erklärt wurde. Wer den Weg zu Wasser vorzieht, kann in der Küstenstadt Vung Tau ein Schnellboot besteigen, welches je nach Wetterlage etwa 6 Stunden unterwegs ist. Die Zahl der Unterkünfte ist bescheiden (doch gibt es ein paar gute Anlagen), doch bei einem Flug pro Tag in einer kleinen Propellermaschine macht sich das nicht weiter negativ bemerkbar.

Con Dao Vietnam

Ein paar Dinge fallen sofort auf. Als ich den Ort Con Son, »Hauptstadt« der Insel, erreiche, bin ich weit und breit der einzige westliche Tourist. Die Einheimischen entlang der Uferpromenade sehen mir neugierig nach, doch machen sie keine Anstalten, sich mir zu nähern. Niemand will mir etwas verkaufen. Ich bin nicht von hier, das ist aber auch schon alles. Punkt. Es gibt auch keine Bettenburgen für vergnügungssüchtige Urlauber, keine Shopping-Meile entlang des Meers und auch kein ausschweifendes Nachtleben. Um neun Uhr abends ist es totenstill, nur vereinzelt röhren Motorräder durch die Nacht. Die dicken Käfer, die mit lautem Brummen gegen die Neonröhren fliegen, um anschließend benommen rücklings auf den Bodenfliesen zu landen, sind noch die aktivsten Lebewesen um diese Zeit.

Dementsprechend einsam präsentieren sich auch die Strände, die nicht zur Luxusklasse gehören, und trotzdem ob ihrer ruhigen und teilweise sehr abgeschiedenen Lage viel Charme entfalten. Mit dem Motorrad erkunde ich jede Ecke der Insel und finde nach kurzen Fußmärschen (nahezu) einsame Strände, die wie geschaffen sind zum Entspannen und Entdecken. In einer Welt, die immer schneller und hektischer wird, sind dies Oasen der Stille und der Selbstfindung. Bunte Schmetterlinge tanzen auf dem Strand, selbstverliebt und selbstvergessen. Die Vegetation ist subtropisch, doch wirkt die Insel im Vergleich zu Phu Quoc etwas anders, diverser, wohl bedingt durch das eigene Klima.

Gefängis Con Dao

Doch der Boden Con Sons ist getränkt mit Blut. Zur Zeit ihrer Kolonialherrschaft errichteten die Franzosen Gefängnisse, die eher den Charakter von Vernichtungslagern hatten. Ihre Überreste stehen dunkel und verlassen in und um den Ort Con Son, und können ausschließlich im Rahmen von Führungen besucht werden. Ihre verwitterten und geschwärzten Mauern erinnern frappant an den verschlafenen Fischerort Kep in der Provinz Kampot im Süden Kambodschas, der dem kambodschanischen Königshaus zur Sommerfrische diente, und wie das Bergressort Bokor Hill von den Roten Khmer dem Erdboden gleichgemacht wurde. In den Zellen sitzen und liegen angekettet Puppen, die das Elend der Gefangenen bildlich und schmerzhaft verdeutlichen. Viele der Insassen wurden ein Opfer der unmenschlichen Bedingungen, mehr als 20.000 sollen es gewesen sein, die der Tod im Paradies ereilte. Wenngleich viele der Überlebenden im Laufe der Jahre auf Einladung der vietnamesischen Regierung zurückgekehrt sind, so bleibt es ein dunkler Fleck auf der vietnamesischen Seele.

Wer soll Con Dao nun besuchen? Nicht der Party-Löwe, der Shopping-Jünger oder alle Freunde oberflächlicher Vergnügungen. Wer den Rummel sucht, exzessives Nachtleben, internationale Einheitsküche oder Ballermann-Brüder, ist anderswo besser aufgehoben. Wer hierher kommt, findet Ruhe. Beschaulichkeit. Natur. Vietnam. Small is beautiful.

Dieser Artikel und die Bilder wurden uns von Reisejournalist und Blogger Albert Karsai zur Verfügung gestellt. Wer gerne mehr Wissenswertes und Unterhaltsames über Vietnam und andere Länder lesen und sehen möchte, kann die Homepage von Albert Karsai besuchen.

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