Unser Chef, Dr. Klaus Pümpel, CEO der TUI Österreich, hat in einem lesenswerten Interview mit dem Kurier seine Gedanken rund um die Marke TUI, die Zukunft des Reisens und die Krisen rund um die Welt samt deren Auswirkungen auf die Reisebranche dargelegt. Das wollen wir euch natürlich auch auf unserem Blog nicht vorenthalten.

Kurier: Revolutionen in Nordafrika, möglicherweise bald ein Super-Gau in Japan und eine Strahlenwolke über dem Pazifik – bei welchen der 44 von Ihnen angebotenen Fernreisedestinationen rechnen Sie denn 2011 mit einer positiven Überraschung?

Klaus Pümpel:
Die Tourismusbranche ist von nahezu allen Arten von Krisen betroffen – egal, ob es sich um Wirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen, kriegerische Auseinandersetzungen oder Terror handelt. Wir haben gelernt mit Krisen umzugehen; es ist heute Teil unseres Geschäfts, den Reisenden größtmögliche Sicherheit zu bieten, um sich im Urlaub auch wohl fühlen zu können. Die Bedeutung unseres TUI-Krisenmanagements, das rund um die Uhr mit unseren Vertretern in den Zielgebieten in Kontakt steht, ist stark gewachsen und zu einem Argument geworden, mit der TUI zu reisen. Auch die Reisenden sind heute „krisenerfahren“, weil Krisen heute Bestandteil des allgemeinen Lebensrisikos geworden sind. Mit der Häufigkeit des Auftretens von Krisen lässt der Einfluss auf das tägliche Leben, aber auch die Betroffenheit nach. Im Rückblick der vergangenen Jahrzehnte hat sich immer wieder gezeigt, dass sich der Tourismus nach jeder Krise erholt – und das wird auch 2011 die positive Überraschung sein: die Urlauber werden schnell wieder in die derzeit betroffenen Urlaubsgebiete wie Ägypten oder Tunesien zurückkehren.

Kurier: 2010 hat die Türkei als Reiseziel deutlich zugunsten von Ägypten als Alternative verloren. Wird sich diese Tendenz durch die Ereignisse in Ägypten wieder umkehren?

Klaus Pümpel:
Insgesamt mag im vergangenen Sommer Ägypten gegenüber der Türkei eine größere prozentuelle Steigerung gehabt haben, aber in absoluten Gästezahlen hat die Türkei noch deutlich die Nase vorne. Die Veranstaltermarken der TUI haben die Marktführerschaft in der Türkei sogar ausgebaut. Wesentlich beigetragen dazu haben unsere exklusiven Produkte wie Magic Life, Pegasos Hotels Robinson und auch die Blue Collection-Anlagen, die wir 2011 als Magic Life Clubs führen.

Kurier:
Neben den traditionellen Urlaubsländern waren im Vorjahr Großbritannien und Irland besonders beliebt. Wie erklären Sie sich das und wie haben Sie auf diesen Trend reagiert?

Klaus Pümpel:
Viele Trends zeichnen sich ab oder werden auch von den Veranstaltern geschaffen. Allein die Veranstaltermarke TUI präsentiert für diesen Sommer in 35 Katalogen 87 Länder und bietet in 335 Ferienzielen über 6500 Hotels an. So auch Großbritannien und Irland. 2010 hat sicherlich auch das günstige Wechselkursverhältnis dazu beigetragen, dass Großbritannien und Irland stark zulegen konnten.

Kurier: Von 2003 bis 2010 hat sich laut Österr. Tourismusanalyse der Anteil an Städtereisen verdoppelt. Denken Sie, dass sich die Entwicklung fortsetzt?

Klaus Pümpel:
Der Österreicher reist kürzer, aber dafür öfter. Dieser Trend der Zweit- oder Drittreise wird sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen. Davon profitiert auch die Städtereise. Große Steigerungen gibt es für Paris, London, Rom, Wien, Berlin, Hamburg und Barcelona. Das verstärkte Angebot an low cost Airliens von Regionalflughäfen rückt auch touristisch bislang weniger gefragte Destinationen in den Mittelpunkt. Flüge und Hotel werden im Reisebüro oder auch über touristische Websites gebucht. Die Produktsicherheit, kaum Mindestaufenthalte und kurzfristige Buchungsmöglichkeiten geben diesem Produktbereich beim Reiseveranstalter bzw. im Reisebüro zusätzliche Chancen.

Kurier: Wird die Bedeutung von Last Minute-Reisen weiter zunehmen?

Klaus Pümpel:
Das Buchungsverhalten der Kunden hat sich verändert. Hier haben die Veranstalter mit dazu beigetragen: Aufgrund der diversen Frühbucherstrategien der Veranstalter (Frühbucherbonus, Kinderfestpreise, 60 Tages- Preisgarantie,…) nimmt der Anteil der Frühbucher wieder zu. Gleichzeitig steigt der Anteil der kurzfristigen Spätbucher. Dabei handelt es sich einerseits um Schnäppchenkäufer und andererseits um Kunden, die erst kurzfristig die Urlaubsentscheidung treffen, losgelöst von Preisangeboten. Mit der Fortsetzung des Trends der zunehmenden Frühbucher und kurzfristigen Spätbucher ist zu rechnen. Ein Drittel bucht früh, ein Drittel normal und ein Drittel kurzfristig. Wer spät bucht, der muss so wie bei einem Schlussverkauf „nehmen“, was es noch gibt – das kann sehr gut passen oder aber eine Kompromisslösung sein.

Kurier: Laut Österr. Tourismusanalyse ist die Bedeutung von Information in Reisebüros für Konsumenten trotz einem hohen Stellenwert des Internets zur Recherche seit 2003 nahezu gleich geblieben. Überrascht Sie das? Und: Wie können Reisebüros und Anbieter auch langfristig punkten?

Klaus Pümpel:
Gerade nach der Aschewolke hat sich gezeigt, dass bei den Kunden das Sicherheitsbedürfnis gestiegen ist. Die ÖsterreicherInnen haben verstärkt in den Reisebüros Veranstalterprodukte gebucht. Qualitätsveranstalter wie TUI oder Gulet profitieren dabei umso mehr. Diese waren es, die die Kunden aus den Destinationen zurückgebracht haben. So haben wir für Pauschalreisegäste sogar die Kosten für die zusätzlichen Übernachtungen in den Hotels übernommen.

In Zukunft wird von den Reisebüromitarbeitern noch bessere Beratungsqualität gefordert. Gutes Wissen, glaubhaftes Verkaufen, auf die Kundenbedürfnisse eingehen können, Freizeitberater zu sein, ein hohes Maß an Eigenständigkeit, psychologisches Fingerspitzengefühl sind wichtige Kriterien bzw. werden noch wichtiger werden.

Großen Wert legt die TUI auf gut ausgebildete Reisebüromitarbeiter. Um die professionelle Beratung des Kunden im Reisebüro sicherzustellen, bietet die TUI laufend attraktive Seminare und Seminarreisen für die Reisebüromitarbeiter an, damit die angebotenen Produkte selbst vor Ort kennengelernt und die gewonnenen Eindrücke in den Beratungsgesprächen an den Kunden weitergeben werden können.

Kurier: Zeichnet sich der Trend zum nachhaltigen Reisen auch bei Fernzielen ab? Wo spielt dieser die größte Rolle?

Klaus Pümpel:
Nachhaltiges Reisen bedeutet für uns, die Belastungen für Umwelt und Zielgebiete so gering wie möglich zu halten. Das Interesse an Nachhaltigkeit bei Reisen wächst beständig. Rund 40 Prozent der Urlauber interessieren sich dafür, das zeigen unsere Umfragen. Aber nur jeder Zehnte will dafür mehr bezahlen. Hier ist noch viel Überzeugungsarbeit notwendig. Unsere Erfahrungen zeigen nämlich auch: Wer ein umweltfreundliches Hotel (zB TUI Umweltchampion) bucht, ist zufriedener und wird eher zum Stammgast.
TUI hat bereits vor 20 Jahren als erster Veranstalter einen Umweltbeauftragten berufen und früher als alle anderen sogar einen Spezialkatalog mit umweltfreundlichen Reisen herausgebracht. Nachhaltigkeit ist sowohl in unserem gesamten Angebot als auch in unserer Unternehmensstrategie verankert.
Das Ergebnis der soeben erschienenen Studie „European Trusted Brands“ von Reader´s Digest zeigt klar, dass das steigende Umweltbewusstsein der Konsumenten Auswirkungen auf die Bewertung der unterschiedlichen Produktkategorien hat. Wenn sich eine Marke glaubhaft als ‚Grüne Marke’ positionieren kann, stärkt dies das Vertrauen der Verbraucher. Auch Anbieter von Reisen müssen den Anforderungen an ein nachhaltiges Wirtschaften zunehmend gerecht werden. TUI ist im Tourismus nicht nur die vertrauenswürdigste Marke, sondern die Verbraucher haben TUI auch im Bereich Umweltschutzaktivitäten die größte Kompetenz eingeräumt.

Kurier: Mit Blick auf die gesamte Branche: Wo sehen Sie gegenwärtig am meisten Potenzial bzw. Bedarf?

Klaus Pümpel:
Die Trends der kommenden Sommersaison 2011 lauten Budgetsicherheit und All-inclusive-Urlaub. Die Pauschalreise als Rund-um-Sorglos-Paket steht vor allem für Familien hoch im Kurs, weil sie finanzielle Kalkulierbarkeit und Sicherheit bietet. Dieser Trend wird sich auch in den nächsten Jahren fortsetzen. Zudem gibt es einen Trend zur Individualität – deshalb wird auch die in Reisebausteinen zusammengestellte Urlaubsreise immer wichtiger. Und die Ansprüche an das Hotel nehmen deutlich zur; hier wird es viele unterschiedliche Konzepte geben, um dem Gast ganz individuell die Urlaubszeit zu verschönern. Und ganz klar: die Reisenden werden immer informierter, das Internet als Informationsquelle zur Urlaubsauswahl und zur Vorbereitung ist nicht mehr wegzudenken.

Als integrierter Tourismuskonzern sind wir in der gesamten Wertschöpfungskette tätig. Ob Reisebüro, Reiseveranstalter, Incoming, Internetvertrieb, Direktvertrieb oder Geschäftsreisen. Diese Bereiche gilt es auch in Zukunft zu besetzen und auszubauen, um für jeden Kunden zu jeder Zeit das richtige Angebot zu haben. Denn der Reisende bucht ohne weiteres einmal im Reisebüro, um das nächste Mal über das Internet einen Städtetrip zu organisieren oder bei Post-Reisen ein besonders günstiges Angebot in Anspruch zu nehmen. Wir wollen dem Reiseinteressierten ganz einfach überall mit unseren Reiseprodukten „begegnen“.

Das Interview ist in Kurzform am 31. März 2011 in der KURIER Beilage Big Business erschienen, Autor: Thomas Weber