Mountainbiken am höchsten Pass der Welt! Mit dem Bericht von Johannes Pfatschbacher aus Ladakh, der gebirgigen Region in Nordindien, auch als Little Tibet bekannt, geht unser Adventure Special am TUI Blog in die zweite Runde. Nach Claudia Perchthalers Erfahrungen beim Trekking in Nepal führt die Reise nach Kaschmir bis hinauf auf 5602 m über dem Meer – mit dem Mountainbike!

Mountainbiken in Ladakh

Radfahren auf über 5000 m Höhe. Wie ist das eigentlich? Zahlreiche Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike habe ich schon hinter mir, dazu meine Bergerfahrungen in Südamerika, das ganze gemischt ergibt ein etwas mulmiges Gefühl in der Magengegend. Die Spannung auf den Khardung La, den höchsten befahrbaren Pass der Welt, steigt.

Etwas mehr als 12 Stunden dauert der Flug nach Delhi. Die erste Hürde ist der Zollbeamte, der die Schachtel in der sich mein Mountainbike befindet, ganz genau untersuchen will. Die zweite Hürde stellt die hohe Luftfeuchtigkeit und die Hitze Indiens dar. Der Schweiß bricht mir aus, wenn ich nur ans Radfahren denke. Nach einem weiteren Flug ist auch Problem Nummer 2 gemeistert. Die Luft in Ladakh ist wesentlich klarer, angenehmer, und kühler, hier heroben auf 3500 m im nordindischen Ladakh. Dafür ist die Luft auch wesentlich dünner. Die Bewegungen gehen wesentlich langsamer und schwerer von der Hand, einige Tage um mich zu akklimatisieren sind kein Fehler. Wir besichtigen den Königspalast und den lokalen Markt mit den Ständen der Ladakhis, Tibeter und Kashmiri. Ein seltsamer, jedoch sehr faszinierender Mix der Kulturen.


Einradeln – die Vorbereitung auf die große Tour

Die ersten Tage in Ladakh nutzen wir, um uns bestmöglich auf den Khardung La vorzubereiten. Die Radtouren führen an buddhistischen Klöstern vorbei. Man taucht bei den Besichtigungen ein in die Welt aus dunklen und düsteren Gemäuern und furchteinflößenden Götterbildern. Passt irgendwie so gar nicht zu den so zuvorkommenden Ladakhi, die stets ein Lächeln auf den Lippen tragen. Militäranlagen prägen das Land, Kashmir ist ein heißes Pflaster, nahe an der Grenze zum chinesischen Tibet.


Los geht´s an die tibetanische Grenze.

Noch bin ich nicht optimal akklimatisiert, das fühle ich. Ich denke aber, das wird sich unterwegs auf der Tour ergeben. Vorbei an rauchenden und bereits etwas in die Jahre gekommenen Lastwägen rollen wird durch Choklamskar bevor es auf eine ruhige Nebenstraße geht. Ab jetzt genießen wir die einzigartige Landschaft und Atmosphäre der schneebedeckten Gipfel der 6000er rings um uns. Staunenende Kinder beobachten uns. Im Kloster Hemis werden wir Zeuge eines Rituals der Mönche, bei denen begleitet von den Klängen der Mantras, ein Schrein 1000 x umrundet wird.


Biken auf 4840 m – die Aufwärmrunde

Nach einigen Tagen im Industal biegen wir nach Süden ab. Der erste hohe Pass, der Nusgur La, führt in vielen Serpentinen die scheinbar flache Straße hinauf. Auf 4840 m kommen wir an bevor es etwas schneller über die Hochebene zum Tsho Moriri See auf 4500 m geht. Noch nie habe ich einen derart abgelegenen Ort gesehen. Ein kleiner Markt, ein Kloster und ein Militärflugplatz, das wars auch schon. Die Attraktion des Tages ist die Ankunft des Linienbusses aus Leh.

Etwas weiter südlich liegt die Grenze zu Tibet, die für Touristen allerdings Sperrgebiet ist. Wir fahren wieder Richtung Norden, vorbei an Schwefelquellen und einer stillgelegten Fabrik für Zündhölzer bevor wir unser Zelt an einer einladenden, grünen Wiese für die Nacht aufschlagen. Eine Nomadenfamilie lädt uns in ihr Zelt ein. Sieben Menschen schlafen, essen und wohnen hier auf engstem Raum.


Zum ersten Mal auf über 5000 m

Am nächsten Tag führt die Straße zum ersten Mal auf über 5000 m, hinauf auf den Tanglang Pass. Unendlich scheint die Distanz mit einigen zu überwindenden Höhenmetern, trotzdem kommen wir oben an. Langsam und gleichmäßig ist die Strategie, die in dieser Höhe zum Ziel führt. Viel Trinken, immer wieder Pausen einlegen. Als leichte Schneeschauer einsetzen, wird es sofort merklich kühler als es ohnehin schon war. Die Straße ist löchrig, was die Abfahrt schwierig und anspruchsvoll macht. Gar nicht so einfach sich bei dieser Kulisse auf die Straße zu konzentrieren.


Khardung La: der höchste Pass der Welt

Die letzte Etappe führt uns zum Höhepunkt unserer Reise. Der Khardung La ist der höchste befahrbare Punkt der Welt. 40 km lang ist der Anstieg, dabei jedoch fast flach und sehr gut befahrbar, teilweise sogar asphaltiert. In vielen Kehren schlängelt sich die Straße hinauf bis auf 5602 m. Der Ausblick ins Karakorum ist sensationell als wir endlich den Pass erreichen. Die Abfahrt ist rasant, 1500 m am Stück gefüllt mit Glückshormonen. Wir haben es geschafft, das Ziel unserer Reise ist erreicht.

Der Veranstalter Worldwide Active aus dem Hause TUI bietet Mountainbike und Trekkingreisen in die entlegensten Winke an, darunter auch Trekking- und Mountainbike Touren in Ladakh.