Das sind Erinnerungen! Knapp vor dem Dreißiger werd ich melancholisch und denke an die gute, alte Zeit zurück als ich noch jung und unverbraucht war. Die beste Zeit der guten alten Zeiten? Partyurlaub an der Costa Brava!

Calella: die kleine Schwester von Lloret de Mar

17 Jahr, blondes Haar – gemeinsam mit einem Freund machte ich mich auf nach Calella. Im Reisebüro hatten wir uns ungefähr folgendermaßen zu den Urlaubswünschen geäußert: „Billig und viel los.“ Die Expedientin hat uns darauf hin auf eine Busreise an die Costa Brava in ein 3 Sterne Hotel gebucht. Good job! Was sind schon 20 Stunden im Autobus wenn man dafür ein paar Hundert Schilling sparen kann? Eben!

Erste Station nach einem herzhaften Frühstück auf der Autobahn: Lloret de Mar. „Bitte lieber Gott, mach dass es in Calella nicht ganz so viele Engländer mit Tattoos und Hooligan-Look gibt wie in Lloret.“ Gott schien mein Gebet erhört zu haben. Calella entpuppte sich als eine Art Lloret de Mar Light. Hässliche Hotelbunker die nicht ganz so hässlich waren, sehr viele Discos und Bars aber nicht ganz so schlimm wie in Lloret. Kurz gesagt: nicht ganz die Hölle, aber knapp dran.

Hotel Neptuno Calella

Wie sich das Hotel Neptuno in Calella die 3 Sterne verdiente, weiß ich bis heute nicht. Viele andere übrigens auch nicht wie die Bewertung auf Tripadvisor beweist. Das Essen war grauenhaft. Vom Zimmer aus hatten wir einen traumhaften Blick auf eine Wand, wir waren standesgemäß im Tiefparterre untergebracht. Dafür hörte man jederzeit genau was passierte. Unser Zimmer war genau neben dem Flipperautomaten in der Lobby, an dem sich Kinder bereits ab dem frühen Morgen, wo sich unser Kater des Vortages in wohligem Schlaf hätte wälzen sollen, betätigten. Einziger Vorteil der unterirdischen Höhle: die fehlende Klimaanlage machte sich nicht so schlimm bemerkbar. Aber wie gesagt: „Cheap is King“ wenn man in jungen Jahren eine Reise antritt.

Party Hard: Calella

Und im Grunde genommen war das Hotel ohnehin irgendwo zwischen egal und Nebensache. Unser Tagesablauf ging von statten wie folgt:

  • Vom Flipper geweckt werden. Kopf schütteln, Schmerz unterdrücken, aufstehen, in den Frühstücksraum wanken, English Breakfast mit vielen Würstchen zu sich nehmen.
  • Strand – dösen
  • Vom Strand retour Richtung Hotel, in der Spielhölle vorbeischauen (ja, das gab es noch und es war ein Hit im Jahre 98 sein Geld für Computerspiele auszugeben)
  • Supermarkt, Sangria im Tetrapak kaufen
  • Hotelpool, Sangria neben den spielenden Kindern trinken
  • Abendessen: die Pommes waren meist genießbar, Nudeln hätte man auch ohne Gebiss essen können. Melone als Nachspeise und einzige Vitaminquelle des Tages.
  • Trinkspiele oder Bingo mit Bier an der Bar.
  • Ausgehen starten: Habe leider den Namen der Bar vergessen die das wirklich geniale Getränk Staubsauger im Programm hatte. Was ist ein Staubsauger?Supertolles Getränk bestehend aus zwei Schnäpsen (die genaue Rezeptur wurde leider nicht verraten) im Wasserglas. Schütteln, Ex runterwürgen, Hand aufs Glas und den Dampf via Strohhalm fest einsaugen. Whoo Hoo!
  • Disco Hopping, irgendwo zwischen Avenue, High, Turisme 35, Western Saloon und Tunnel: ein paar Peseten Eintritt pro Disco, dafür viele Freigetränke die man schon gar nicht mehr nötig hatte und trotzdem dringend brauchte.
  • Mit dem angetrunkenen Mut Mädls angraben und auf der Tanzfläche spastisch herumzucken.
  • Heimstolpern, beim Burgerautomaten (!) noch einen Magenfestiger vor dem Schlafen rausdrücken.

Partyurlaub in Calella

Klingt nach Spaß, war es auch. Soviel Spaß, dass wir im Folgejahr nochmals die Busfahrt auf uns nahmen um eine Woche nach dem selben Schema in Calella zu verbringen. Allen Halbwüchsigen, die sich für einen Partyurlaub interessieren, kann ich Calella und Lloret de Mar ans Herz legen. Nicht so flashig wie Ibiza, dafür aber auch nicht so teuer. Ich denke mal mit 18 hat man in einer Disco voll 16 – 23jähriger auch wesentlich mehr Spaß als in Ibiza oder Mallorca, wo sich teilweise doch ein älteres Publikum tummelt.

Und außer Party?

Der klassische Katalogtext „auch außerhalb der Partymeilen gibt es viel zu sehen“ stimmt nur bedingt. Unser Highlight war ein Ausflug nach Barcelona zu einem Freundschaftsspiel von Barca den wir mit dem FCB Fanclub aus Calella unternommen haben. Meine spanische Eroberung des Urlaubs musste mir in Folge die Barca Hymne auf eine Kassette singen nachdem sie es nicht schaffte eine CD des  Songs aufzutreiben. (Ja, damals gab es noch Kassetten und ja, meine Baggerquote lag über 0%, was mich heute noch verwundert.)

Zweiter Ausflug, wenn auch nur bedingt außerhalb der Partymeile Calellas: mit einem Schiff auf die Sauf Insel (Name der Redaktion aus naheliegenden Gründen nicht mehr bekannt). Sehr empfehlenswert, dort kann man essen und trinken soviel man will von früh bis spät und dazu mit dem Bananenboot und ähnlichem Unfug fahren. Schwimmflügerl wären in Anbetracht des Zustands sicherlich auch für Erwachsene angebracht.

Remember: Calella

Ich habe noch immer das orange Shirt, das ich nach dem x-ten Besuch in der Discoteca Avenue Calella abgestaubt hab. Wenn ich es mir ab und an abends ganz vorsichtig weil porös und verwaschen als Pyjama über den Leib stülpe, muss ich leicht verstohlen grinsen wenn ich an Calella zurückdenke. Schön wars, und irgendwann werde ich mit Wohlstandsbauch und Glatze einen Midlife Crisis Urlaub wieder dort verbringen.

Linktipps:
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