Claudia Perchthaler, Globetrotterin und so ganz nebenbei Produktmanagerin bei unserem Trekking Reiseveranstalter worldwide active war mal wieder unterwegs. Die letzten beiden Wochen hat sie in Bhutan verbracht. Im folgenden können wir nicht ganz neidfrei ihren Reisebericht aus Bhutan, dem Land des Donnerdrachens, genießen.

Bhutan

Es gibt ihn noch, den letzten Platz dieser Erde, den man Shangri-La nennen könnte. In Bhutan, flächenmäßig so groß wie die Schweiz, leben ca. 700.000 Einwohner. Im Land leben unzählige verschiedene Volksgruppen und sprechen 19 (offizielle) Sprachen und eine große Anzahl von unterschiedlichen Dialekten. Die übergeordnete Sprache ist Dzonkhar. Englisch ist weit verbreitet. Bhutan ist eines der am dünnsten besiedelten Gegenden dieser Erde, dennoch reich an traditioneller Kultur und unvergleichlicher Spiritualität. Bhutan ist das einzige Land, wo der tantrische Buddhismus als offizielle Staatsreligion anerkannt ist.

Obwohl Bhutan, das Land des Donnerdrachens, als eine der TOP Destinationen der Reisewelt erkoren wurde, schaffen es tatsächlich nur wenige Touristen dorthin. Eingebettet zwischen Tibet und Indien inmitten der Himalaya Kette hat Bhutan sich dazu entschlossen, der raschen Globalisierung stand zu halten und sich langsam und in gesunder Geschwindigkeit nach außen zu öffnen. Obwohl Handy und Fernsehen bereits im Alltagsleben der Bhutaner Einzug gehalten haben, glaubt man dennoch, in eine andere Welt versetzt zu sein.Die Bhutaner wissen, dass ohne Traditionen ihre Kultur zu entwurzeln droht, und halten trotz Modernisierung daran fest.

Reiseverlauf

Anreise per Flugzeug von Delhi nach Paro (Fantastischer Flug entlang der großen Himalayakette (Annapurna, Everest, Lhotse, Kanchenjunga). In Paro angekommen checkt man erstmal im Hotel ein, dann geht es auch schon los mit dem Sightseeing. Die fantastische Kultur der Dzongs (Festungen) wird ebenso erklärt, wie Gebräuche und Sitten der Bevölkerung. Schließlich soll man das Land ja erleben und nicht bloß sehen.

Mit einem Allradfahrzeug geht es dann los in Richtung Zentralbhutan. Die Vegetation ändert sich. In Punakha, einem relativ tief gelegenen Tal, gibt es sogar Bananen- und Papayabäume. Die Reisterassen warten noch auf ihre Bepflanzung (geschieht vor dem Einsetzen des Sommermonsuns), Rhododendron, Birnen- und Apfelbäume stehen in voller Blüte.
Das Land ist fruchtbar und erwacht im Frühling zu neuem Leben.

Bumthang, welches für seine vielen Feste und die schönen Menschen berühmt ist, ist eine reizende Gegend. Die Fahrt dorthin dauert aber ziemlich lange, da die Durchschnittsgeschwindigkeit lediglich 40km/h beträgt. Das letzte Gletschertal Bhutans, das Probjika Tal ist durch seine Höhe auf über 3000m noch ziemlich frisch, dennoch wartet es mit einer schönen Überraschung auf. Die vom Aussterben bedrohten Schwarzhalskraniche, die im Tal überwintern (im Sommer ziehen diese seltenen Vögel nach Tibet), sind noch vereinzelt im Tal. Swarovski Ferngläser machen diese seltenen Vögel auch in weiter Ferne noch sichtbar.

Die Menschen Bhutans erlebt man am besten authentisch – im Eigenheim bei einer Tasse Buttertee oder Arak. Der Besuch des Sportplatzes, wo sich die Bogenschützen tummeln, gehört sicherlich zu den Highlights der Reise. Thimphu, die Hauptstadt, ist gerade auf dem Weg zwischen Tradition und Moderne und hochinteressant. Die täglichen Sightseeings werden durch Halbtagswanderungen vorbei an Dörfern, blühenden Rhododendron und spielenden Kindern aufgelockert. Das wohl berühmteste Kloster Tiger’s Nest krönt den Besuch im Land des Donnerdrachens.


Land und Leute

80% der Bevölkerung lebt immer noch am Land. Die Hauptstadt Thimphu, die bereits 80.000 Einwohner zählt, kommt immer noch ohne Verkehrsampeln aus – wohl als einzige Hauptstadt der Welt, obwohl es bereits genügend Fahrzeuge auf den Straßen gibt. Seit 1974 für kontrollierten Tourismus geöffnet, hat Bhutan erst 1990 das Telefon erhalten. Mittlerweile gibt es Handy und Internet (letzteres jedoch noch nicht flächendeckend) Bhutan durchzieht zwar eine Nationale Autobahn von Ost nach West, dennoch sind Durchschnittsgeschwindigkeiten von 40km/h trotz modernster Fahrzeuge ganz normal.
Spricht man mit den Bhutanern, die allesamt ein sehr gutes Englisch sprechen, wird man oft von deren modernen Einstellung zum Leben überrascht werden, denn deren Kleidungsstil würde anderes vermuten lassen.

Die Bhutaner weisen einen hohen allgemeinen Bildungsstandard auf, sie haben ein hochentwickeltes Gesundheitssystem und deren Frauen sind selbstbewusst und genießen den Status der Gleichberechtigung (auch mit Erbfolge) Dies alles ist eine Folge des ‚Bruttonationalglücks’, welches mit Hilfe von auserwähltem Tourismus und Export von Wasserkraft finanziert wird. Sie verstehen es bereits seit Jahren, dass echtes Glück eine Folge von gelebten Traditionen ist und von innen kommt und nichts mit der Anhäufung von materiellen Werten zu tun hat. Für sie scheint es nicht wert zu sein, einer Globalisierung entgegenzusehen, was auch sehr oft mit innerer Leere oder ‚Verlust der Seele’ zu tun hat. Bhutan ist ein Land, indem man als Reisender nicht einfach nur hinkommt, um dagewesen zu sein, sondern eine Reise verlangt es einem ab, für das Land, dessen Bevölkerung und deren gelebte Traditionen offen zu sein.


Religion und Spiritualität

Der tantrische Buddhismus ist die anerkannte Staatsreligion und scheint im Alltagsleben allgegenwärtig zu sein. Unzählige Klöster, die nicht nur als Museen fungieren, zeugen von der gelebten Spiritualität und Tradition. Fantastische Festungen – an strategisch wichtigen Orten erbaut – fungieren auch heute noch als Regierungssitz, Kloster und Justizgebäude. Mit etwas Geschick in der Reiseplanung kann man diese traumhafte gelebte Kultur in Form eines Festivals miterleben und stellt für die meisten Besucher den Höhepunkt der Reise dar.


Fauna und Flora

Landschaftlich hat Bhutan sehr viel zu bieten. Von den subtropischen Gegenden im Süden über die fruchtbaren Hochebenen bis hin zu den hochalpinen Gegenden im Himalaya hat dieses Land mehr zu bieten, als so manch andere Staaten. Durch die Vielfalt der Landschaften und die Abgeschiedenheit ist Bhutan ein Paradies sowohl für Botaniker, als auch für Tier- und Naturliebhaber. Eine Vielfalt an diversen Rhododendren, Orchideen, Edelweiß Azaleen und weiteren Pflanzen sind ebenso zu finden, wie äußerst seltene und vom Aussterben bedrohte Tierarten, wie z. Bsp. der Takin (halb Kuh – halb Ziege), der Schneeleopard, Roter Panda, Tiger Schwarzhalskraniche etc.

Wetter und Jahreszeiten

Bhutan ist nicht unbedingt bekannt für seine stabilen Schönwetterphasen (außer im Winter), dennoch ist eine Reise nach Bhutan das ganze Jahr über möglich und lohnenswert. Frühling und vor allem der Herbst eignen sich hervorragend für Trekking (Bergsteigen ist bis dato nicht erlaubt), wobei man im Sommer (Monsunzeit) mit einer außergewöhnlich schönen Natur belohnt wird. Da der Regen meist am späten Nachmittag und nachts einsetzt, ist Trekking nicht unbedingt eine gute Idee, dennoch sind kurze Wanderungen in Verbindung mit Kultur eine lohnenswerte Alternative. Feste Unterkünfte (einfach, zweckmäßig und sauber – westliches Spülklo und heiße Dusche überall vorhanden) gibt es in den größeren Orten, während am Trek campiert wird. Alle Touren werden von bestens ausgebildeten und verantwortungsbewussten (sowohl der Natur als auch dem Gast gegenüber) Guides begleitet, die Ihren Gästen gerne die reiche Kultur und Natur näherbringen.


Aktivitäten

Je nach Schedule und Reisedauer besuchen Sie ein Festival, verschiedene Kulturstätten, Klöster, Festungen und Dörfer. Ein Marktbesuch am Wochenmarkt darf ebenso wenig fehlen wie die Nationalsportart ‚Bogenschießen’, der man als Zuschauer gebannt beiwohnen darf. Als Abschluss jeder Reise lohnt sich der 2-stündige Aufstieg zum berühmten Tiger’s Nest, ein spektakuläres Kloster, welches auf einem 600m hohen Felsen zu kleben scheint. Darüber hinaus gibt es in Bhutan fantastische Treks (z. Bsp Jomolhari Trek), die im Herbst lohnenswerte Alternativen zu den überlaufenen Nachbarländern darstellen. Weitere Aktivitäten wie Birdwatching und Mountainbiken erfreuen sich steigender Beliebtheit.

So magisch das Land auch klingen mag, es ist kein Museum, sondern ein Land, das lediglich einen anderen Weg in Richtung Moderne geht. Sanfter und sozio-ökologischer Tourismus wird dem ‚Land des Donnerdrachens’ helfen, sich in Richtung Moderne zu bewegen, ohne dabei einen Ausverkauf seiner reichen Kultur betreiben zu müssen.


Praktische Informationen

Einreise: Nach Bhutan kommt man entweder über Land oder mit der staatlichen Fluglinie Druk Air Die gängigen Flughäfen sind Delhi, Kathmandu, Kalkutta oder Bangkok. Westliche Touristen benötigen für Bhutan ein Visum, welches von der Agentur in Bhutan ausgestellt wird. Der Weiterflug nach Paro wird durch die Agentur in Bhutan gebucht.

Kosten:Bhutan ist zwar relativ teuer, aber dann ist ALL INCLUSIVE (Standardhotel, Transport, Guides, Fahrer, Vollverpflegung, Aktivitäten, Eintritte). Einziger Aufpreis: Getränke und Hotels der Luxusklasse
Persönliche Anmerkung: Die Unterkünfte in Bhutan sind zwar einfach, aber in letzter Zeit ist der Standard um einiges verbessert worden. In Österreich etwa mit einer Pension zu vergleichen. (Hotels der gehobenen Klasse gegen Aufpreis möglich.) Die Zimmer sind geräumig, sauber, zweckmäßig eingerichtet, westliche Toilette und heiße Dusche. Das Essen ist gut und dem westlichen Geschmack angepasst.
Das Trinkwasser sollte man kaufen!

Geld: 1 Bhutanischer Ngultrum entspricht dem Wert der indischen Rupee
USD werden gerne gewechselt (Achtung: keine Scheine mitnehmen, die älter als 1996 sind), € werden mittlerweile akzeptiert. Kreditkarten sind leider nur eingeschränkt möglich.
Im Land selbst benötigt man wenig Bargeld (Getränke, Souveniers und Trinkgelder)

Sprache: Da der Hauptteil der Touristen aus den englisch sprechenden Gegenden kommt, sind deutsch sprechende Guides noch eher die Ausnahme. (können aber mit genügend Vorlaufzeit organisiert werden)

Sicherheit: Bhutan hat so gut wie keine Kriminalität

Aktivitäten: Neben Trekkingreisen bietet die Agentur Kulturreisen, Kultur und Wandern, Mountainbiken, Birdwatching an.

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