Nun ist es also passiert. Ganz von selber, ohne mein Zutun im positiven oder negativen Sinn. Fürchterlich, traumatisch, ganz schlimm, auch wenn es nicht weh getan hat. Körperlich zumindest. Ich bin schon wieder ein Jahr älter geworden. Während man sich mit 17 aufs Älterwerden freut, Casino, Auto, Alkohol, ist es mit über 30 kein Tag zum Feiern, sondern zum kondulieren. „Ey, du kommst hier nicht rein,“ ein Satz den ich eigentlich nicht mehr hören sollte, trifft nun wieder zu. Mit 31 Jahren bin ich zu alt, um überall mitmachen zu dürfen. Henry Village ist so eine Sache. „No Kids, no Grannies.“ Und da bin ich eben anscheinend vertreten.

Maturareise

Dürfen, wollen, können

Nun gut, es ist eine Sache nicht mehr zu dürfen. Gut, damit kann ich leben. Denn eigentlich will ich ja auch gar nicht mehr. Also wollen täte ich schon, sollte ich wohl besser ausdrücken. Partyurlaub, gute Sache an und für sich. Womit wir dann schon beim dritten Verb angelangt wären, bei demjenigen das die traurige Wahrheit ausdrückt. Das können. Alle, die auch 30 Sommer und mehr hinter sich haben, wissen wovon ich spreche.

Ich kann nicht mehr die Nacht zum Tag machen ohne weitreichende Folgen befürchten zu müssen. Ich kann die Nacht zum Tag machen, dann allerdings ist der Tag darauf schlimmer als eine Nacht in der Hölle. Ans Reparierbier ist gar nicht zu denken. Nichtmal Kaffee bekomme ich runter. Ein klein wenig Reis ohne alles, vielleicht Suppe, sonst nur Bett, Kopfweh und Würgegefühl – das ist der Tag danach ab 30. Während Twens cool feiern, sich am nächsten Tag mal kurz schütteln und weiter geht´s, schüttelt´s mich lang und peinigend und es geht gar nichts mehr.

Zu alt fürs Henry Village

Die Entscheidung, Henry Village als exklusiven Partyclub für alle zwischen 18 und 30 zu gestalten, ist also nichts was dem Veranstalter eingefallen wäre, sondern soetwas wie die Reglementierung der natürlichen Selektion, denn: auch wenn ich dürfte und wollte, ich könnte nicht. Als alter Sack würde ich zwar eine Partynacht überstehen, spätestens an Tag zwei wäre ich aber K.O. gestellt. Während für die anderen die Party weiterginge, erwartet mich das Fegefeuer der Katerleiden. „Lasst mich liegen, gebt mir den Gnadenschuss, nur bitte bitte keinen Alkohol mehr,“ so ungefähr würde sich das ganze anhören.

Tipp vom Veteranen

Mein Tipp an alle, jahrelange Erfahrung macht´s möglich. Genießt das Leben, solange es in diesem Sinne noch lebenswert ist. Freut euch nicht aufs Alter, zumindest nicht wenn es um Party und Feiern geht. Glaubt niemandem der behauptet, man kann auch im Alter noch Spaß beim Fortgehen haben. Es ist nämlich unbestreitbar so, dass der Spaß spätestens am Tag darauf in Leiden übergeht das den Funfaktor um ein Vielfaches übersteigt und somit das Gaudium der Nacht in ewig scheinendes Leid umwandelt.

Deshalb: egal ob ihr springbreaken, splashlinen oder henry-villagen wollt: Just do it! Macht es, solange ihr nöch dürft. Oder eben wollt. Oder könnt. Ich hatte meinen Spaß, vor sehr sehr langer Zeit, als noch ein 2er mein Alter auszudrücken vermochte. Trauert nicht um mich, denn einst wird auch um euch nicht getrauert.

Linktipps:
Henry Village